Aller Anfang ist schwer…

 

Als ich am 28.09.1988 das Licht der Welt erblickte, wusste natürlich noch niemand was auf mich zukommen würde im Leben.

Bis zu meiner Diagnose hatte ich zwar ein fröhliches aber doch nicht sehr einfaches Leben.

Als ich 2 Jahre alt war, starb mein Bruder bei einem Motorradunfall. Die Situation war natürlich für alle Beteiligten nicht einfach, doch ich musste natürlich noch was drauf setzen.

Eines Nachmittags, wir kamen von einer Fahrradtour nach Hause, war mein Opa gerade aus unserem Garten gekommen und wollte seinen Bulldog (Traktor) in die Garage fahren. Mir machte das immer sehr großen Spaß mit zu fahren also durfte ich Platz nehmen. Damals musste man das Oberteil des Traktors abmachen, damit er bei uns in die Garage passte. Mein Opa werkelte also an dem Teil und ich saß auf dem Traktor. Bis ich ein Loch entdeckte, dass ich so toll fand und daran rumspielte. Hallo ich war 2 Jahre alt, da ist sowas TOLL. Ich spielte also an dem Loch und mein Opa machte die Klappe runter…

« AUTSCH! »

Mein Finger war durchtrennt…

Ich wurde ins Krankenhaus gebracht, dort operiert und mein Stück Finger konnte leider nicht mehr angenäht werden, da ein Zwischenstück noch im Traktor hing.

Von da an, war ich also ein kleiner Krüppel. Natürlich ist das keine große Behinderung für mich, jedoch hast du es als kleines Kind mit einem Handicap trotzdem nicht einfach. In der Schule machten sich die Kinder über mich lustig.

« Nein, Kinder können nicht gemein sein, Kinder sind gemein »

Und wenn Lehrer ihnen dann auch noch dabei helfen, hat man selbst keine Chance mehr. Seit ich denken konnte, liebte ich Musik. In der Grundschule lernt man bei uns heutzutage Blockflöte. Und ich habe mich damals so sehr darauf gefreut, Flöte spielen zu dürfen. Auch meine ganzen Freunde waren dabei. Doch die Musiklehrerin hat sich geweigert einen Krüppel zu unterrichten. Für mich ist eine Welt zusammen gebrochen. Sie hätte keine Zeit sich speziell um mich zu kümmern, meinte sie. Nach langen Diskussionen mit dem Rektor, Ja meine Mutter hat es Ihnen gezeigt, durfte ich dann trotzdem am Unterricht teilnehmen. Beachtet wurde ich jedoch nicht. Erst nach ein paar Wochen, als die Lehrerin uns nach den Hausaufgaben gefragt hat und keiner sie machte. Ich habe nämlich geübt und geübt und wollte es allen zeigen, dass ich trotz der Behinderung spielen konnte. Also, keiner konnte die Hausaufgaben, nur ich. Von da an war ich ihre Lieblingsschülerin, ich durfte auch an Auftritten teilnehmen. Yeah.

Irgendwann war Flöte mir nicht mehr genug, ich wollte mehr. Und als ich dann von meinem Cousin eine Gitarre geschenkt bekommen habe und meine Cousine sich anbot es mir beizubringen, war natürlich die Freude groß. Die Gitarre musste allerdings umgespannt werden auf Linkshänder, sonst hätte ich nicht greifen können. Ich war wirklich sehr gut. Habe viel Zeit damit verbracht zu spielen. Als meine Cousine dann ihr Studium angefangen hat, habe ich in einer Musikschule gespielt. Auch die Musiklehrerin war von mir begeistert. Meine Eltern haben mir dann irgendwann zu Weihnachten ein Klavier geschenkt und ich habe dann in der Musikschule das Spielen angefangen. Von da an war eigentlich klar, dass ich später irgendwas mit Musik machen möchte.

Ich wurde aufs Gymnasium geschickt, doch schon nach 2 Jahren stellte sich heraus, dass ich zu faul war um zu lernen. Ich hatte einfach andere Dinge im Kopf. Und so rutschte ich immer weiter ab. Nach dem Halbjahreszeugnis der 8. Klasse durfte ich dann runter auf die Realschule. Dort habe ich dann meine Mittlere Reife absolviert. Mehr schlecht als Recht, aber bestanden ist bestanden. Früh Schule, nachmittags Gitarre. Ich wollte unbedingt Musiklehrerin werden und habe stundenlang dafür geübt. Doch nach ein paar Sehnenscheidenentzündungen hat mir meine Ärztin geraten, doch lieber nicht mehr stundenlang zu spielen, bevor der Arm steif bleibt. Somit war der Traum aus geträumt.

« Doch was jetzt? »

Ich hatte keine Ahnung, was ich werden möchte. Also bewarb ich mich einfach willenlos für jeden x-beliebigen Beruf. Und nach 200 Bewerbungen habe ich dann endlich durch Vitamin B eine Ausbildungsstelle als Kauffrau für Bürokommunikation gefunden.

Während meiner Ausbildung starb mein Cousin, der mir die Gitarre geschenkt hatte. Ich weiß das klingt doof, aber an diesem Tag hatte ich das letzte Mal meine Gitarre in der Hand. Für genau 5 Jahre.

Kurz darauf haben sich dann meine Eltern scheiden lassen. Wenn ich so darüber nachdenke, war es für alle Beteiligten das Beste. Trotzdem ist für mich eine kleine Welt zusammen gebrochen. Der Traum von Mutter, Vater, Kinder war aus geträumt.

Ich habe noch nie wirklich über Probleme gesprochen, habe immer alles akzeptiert und in mich hinein gefressen. Viele Situationen dich mich belastet haben, habe ich weg gelacht.

« Vielleicht wurde mir das zum Verhängnis.. »

Es folgten Alpträume. Die wurden so stark, dass ich nachts versucht habe unbewusst mein Zimmer zu zerschlagen. Ich weiß nicht, wann das geendet hat, aber irgendwann waren sie weg.

Nach meiner Ausbildung habe ich überlegt und überlegt was ich tun sollte.  Irgendwie konnte das noch nicht alles gewesen sein, habe ich mir oft gedacht. Ich wollte irgendwas Tolles und Großes erreichen in meinem Leben. Also ging ich auf die Berufsoberschule um dort mein Abitur nach zu machen, vielleicht stehen einem damit ja dann mehrere Wege offen. Ich habe nie gelernt, trotzdem habe ich mich psychisch sehr rein gestresst. Es haben nicht viele Menschen an mich geglaubt, aber ich wollte es schaffen.

« Bis an jenem Tag…»

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