Neuanfang…

Nachdem also mein Kumpel gestorben war und ich immer noch mit der Diagnose zu kämpfen hatte, hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, fehl am Platz zu sein. Irgendwie gehörte ich nicht hier her.

Mit „Ach und Krach“ habe ich das Schuljahr überstanden und erhielte meine Fachhochschulreife. Doch was nun? Irgendwie hatte ich mir keine Gedanken mehr gemacht, was ich danach machen sollte. Da ich im wirtschaftlichen Bereich zuerst meine Ausbildung und danach mein Fachabitur gemacht hatte, war es wohl das Beste dort auch weiter zu gehen. Eigentlich wollte ich nie Betriebswirtschaftslehre studieren. Ich sagte immer, alles außer das.

« Jeder Depp, der nicht weiß was er studieren soll, studiert BWL »

Richtig. Doch dazu gehöre auch ich. HAHA. Denn alles andere hat mich nicht wirklich interessiert und da ich nicht wusste, was ich sonst machen sollte, habe ich gesagt ich probier es einfach, mehr als scheitern kann es ja nicht. Irgendwie hat keiner an mich geglaubt, alle dachten, dass ich es nicht schaffen würde, sogar ich selbst, war am zweifeln. Aber ich wollte wissen wie weit ich komme. Also packte ich meine sieben Sachen und zog von Middlfrangen nach Oberfrangen ins „kalte“ Hof an der Saale und fing dort an der Fachhochschule das studieren an.

Gewohnt habe ich in einer Wohngemeinschaft mit 5 Mitbewohnern und jeder kann sich ja vorstellen, was bei so vielen Menschen vor sich geht. Gott sei Dank, hatten wir zwei Toiletten, denn ich musste ja immer noch sehr oft und sehr schnell aufs Klo. Und als meine Mitbewohner mitbekommen hatten, dass ich krank bin, überließen sie mir eine Toilette für mich ganz alleine. So awesome. Ich war gerührt.

Das erste Semester verlief eigentlich ganz gut. Doch langsam ging das Geld aus. Ich hatte Bafög beantragt, doch bis der Bescheid kam, dauerte es Ewigkeiten. Der Höchstsatz beim Bafög liegt bei rund 600 Euro. Da meine Familie jetzt nicht stinkreich ist, habe ich eigentlich schon so mit mindestens 400 Euro gerechnet, was ich bekomme. Immerhin wohnte ich alleine, musste Studiengebühren von 500 Euro zahlen, Miete, Essen usw. Zur Not könnte ich ja nebenbei noch arbeiten, aber das wäre halt sehr schwierig mit meiner Erkrankung und Studium und den ganzen Stress. Aber ich würde es tun. Der Bescheid kam Ende Dezember. Auf dem Zettel stand: Sie bekommen 27,50 Euro Bafög jeden Monat.

« 27,50 Euro What the Fuck??? Damit kann ich mir nicht mal den Arsch abwischen einen Monat lang. »

Das musste ein Tippfehler sein. Ganz sicher. Ich rief also dort an und fragte nach. Die sehr unfreundliche Dame am Telefon meinte, dass das kein Tippfehler sei und dass meine Eltern für den Unterhalt aufkommen müssten. Und wenn das nicht ginge, beziehungsweise sie sich weigerten, soll ich sie doch bitte verklagen.

« Was bildest du Teilzeit-Schlampe dir eigentlich ein? »

Das hat gesessen. Ich mein, meine Eltern verdienen beide nicht wirklich so viel, dass sie mir 600 Euro zahlen können jeden Monat. Außerdem musste meine Mutter noch ein Haus ab bezahlen und wir hatten einen Pflegefall zu Hause. Und selbst wenn, würde ich das nicht verlangen von meinen Eltern. Mag ja sein, dass heutzutage viele Jugendliche keinen Bezug zu ihren Eltern haben und sie verklagen können, ich möchte es mir allerdings nicht verscheißern bei meinen Eltern. Ich legte auf. Was mache ich jetzt? Ich habe den Antrag dann in einer anderen Stadt nochmal ausrechnen lassen, doch auch die erklärten mir, dass das richtig sei.

« Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte »

Muss ich jetzt mein Studium beenden? Wenn ja, was mache ich dann? Meine Eltern konnten mir nicht so viel zahlen, allerdings haben sie mir trotzdem  soviel Geld geben können, dass meine Miete bezahlt wurde und mein Studium. Ich musste also doch, nebenbei noch auf 400 Euro Basis arbeiten. Leider ist Hof nicht die größte Stadt und so war es sehr schwierig einen Nebenjob zu bekommen, obwohl es mir egal war was ich tat. Und wenn ich Scheiße von Toiletten kratzen musste. Ich wollte nicht aufhören zu kämpfen. So wie ich es schon mein ganzes Leben lang gemacht hatte.

Mir lief die Zeit davon. Und der einzige Job den ich dann gefunden habe, war in einer Systemgastronomie (Name darf nicht genannt werden). Ich war also der neue „Spongebob“ der Burger gebraten hatte. Auch wenn dieser Job sehr anstrengend und schlecht bezahlt ist, hat er Spaß gemacht (man glaubt es kaum).

Die ersten zwei Jahre meines Studiums, musste meine Krankheit hinten anstehen. Ich musste zwar oft aufs Klo, aber die Schmerzen konnte ich so gut es geht verdrängen. Es war auch nicht möglich mich damit zu beschäftigen, denn ich hatte keine Zeit. Ich war Vollzeit im Studium und mein Stundenplan war so beschissen, dass ich teilweise von 08:00 bis 19:00 Uhr in der Uni war von Montag bis Freitag. Und Freitag, Samstag, Sonntag habe ich Schichten gearbeitet 12 Stunden, damit ich auch am Ende des Monats, meine 400 Euro bekam. Heimgefahren bin ich ganz selten, es war erstens keine Zeit dafür und zweitens kein Geld.

Als ich das alles gemacht habe, war es okay. Ich fühlte mich nicht schlecht, beziehungsweise ich ließ es nicht zu. Aber ich habe gewusst, dass ich dem ganzen nicht gewachsen bin und ich irgendwann die Quittung dafür bekam.

« Und sie kam… »

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