Zwischen Klausuren. Ohnmacht. Und Operation..

Ich kam also wieder vom Gardasee zurück und musste auch gleich wieder nach Hof fahren, um doch noch zwei Tage etwas für meinen bevorstehenden Zweitversuch zu lernen, denn ich wollte ja auch bestehen.

Ich traf mich mit einer Freundin und wir lernten zwei Tage durch. Als ich in Italien war hatte ich kaum Schmerzen, doch sobald ich Deutschland wieder erreicht hatte, ging es von vorne los. Beim Lernen konnte ich mich kaum konzentrieren, die Schmerzen wurden wieder von Tag zu Tag schlimmer. Ich entschloss mich also dazu, nur zwei Klausuren zu schreiben und dann wieder nach Hause zu fahren. Denn für mehr fühlte ich mich nicht mehr in der Lage.

Der Zweitversuch war die letzte der beiden Klausuren. Ich saß also im Prüfungssaal und hatte mein Blatt mit den einzelnen Fragen vor mir. Konzentrieren konnte ich mich nicht, denn ich hatte an diesem Tag wieder unwahrscheinliche Schmerzen und ich konnte kaum den Stift halten. Plötzlich bekam ich dann noch einen Schweißausbruch. Der Professor kam zu mir und fragte mich ob alles in Ordnung sei und ich sagte ja. Er sah mich irritiert an und wollte noch irgendetwas sagen, aber da ist es mir schon schwarz vor Augen geworden..

Durch die Prüfung, wer hätte das gedacht, bin ich natürlich durchgeflogen. Logischerweise, ich hatte ja auch nichts auf dem Blatt stehen. Aber es war ja noch ein Versuch offen, also alles halb so wild.

Als ich wieder zu mir kam, sprach ich mit meinem Professor über meine Krankheit und sagte ihm, dass ich nach Hause fahren würde und keine Prüfungen mehr schreibe. Er zählte mir meine Möglichkeiten auf und wünschte mir viel Glück für die Zukunft.

Ich packte also meinen Koffer und fuhr Richtung Heimat. Zu Hause angekommen, rief ich meinen Arzt an und erklärte ihm meine Situation. Er meinte, er mache für den nächsten Tag einen Notfalltermin für ein MRT (Röhre) aus, um meinen Dünndarm zu röntgen.

« Mein Dünndarm war so verkrustet an einigen Stellen, dass es kurz vor dem Platzen war. »

Also musste ich schnellstmöglich operiert werden, bevor es zum Darmverschluss käme. Ich sollte dann auch sofort ins Krankenhaus fahren und mich einweisen lassen.

Im Krankenhaus kam ich dann als erstes auf die Innere Medizin. Das hab ich erst nicht verstanden, da ich ja hier war um operiert zu werden und eigentlich in die Chirurgie gehörte, aber ich spielte das Spielchen einfach mal mit. Wer schon einmal auf der „Inneren“ lag, weiß dass das kein Zuckerschlecken ist. Denn da liegen hauptsächlich alte Leute mit einem Alter über 60. Und wenn dann natürlich eine mit Mitte Zwanzig kommt, ist das schon so etwas wie ein Highlight. Das Krankenhaus war zu dem Zeitpunkt ziemlich gefüllt und so lagen wir zu viert auf dem Zimmer.

« Ich umgeben von alten Grazien, das kann ja heiter werden! »

Der zuständige Arzt meinte, sie müssen das jetzt erstmal alles besprechen und operiert werde ich frühestens in einer Woche. In einer Woche? Laut meinem MRT sollte ich schnellstmöglich operiert werden, bevor alles platzt, wieso erst in einer Woche? Aber ich hielt mein Maul, denn ich war zu schwach um mich aufregen zu können. Ich habe lediglich gefragt, ob ich dann die Woche nochmal nach Hause könne, wenn eh nix vorwärts ginge. Aber es hieß, das können sie nicht verantworten. Also Nein.

Ich lag also eine Woche umsonst in diesem Krankenhaus. Die Zeit verbrachte ich meistens draußen, da es sehr heiß war zu dem Zeitpunkt. Im Raucherbereich lernte ich sofort ganz viele Menschen kennen. Die meisten hatten Krebs. Eine von Ihnen hatte es mir besonders angetan. Ich verbrachte viel Zeit mit ihr. Sie war Mitte 40 und hatte einen Tumor im Kopf. Wir erzählten uns unsere Lebensgeschichten, lachten und weinten viel miteinander. Wenn man sie so betrachtete, hätte man nie geglaubt, dass sie so schwer krank war. Aber das war sie.

« Sie hat den Kampf gegen den Krebs kurze Zeit später leider verloren. Rest in Peace. »

Eines Nachts, wurden wir unsanft geweckt. Es hieße, wir müssen unsere Sachen packen, denn sie bräuchten das Zimmer. Es hätte jemand den Norovirus und das Zimmer bräuchten sie, wegen der Quarantäne. Also lagen wir, weil das Krankenhaus ja überfüllt war, auf dem Gang. Schöne Scheiße. Am nächsten Tag kam meine Mutter zu Besuch, sah dass ich auf dem Gang lag und machte einen Aufstand. Es ging nicht nur um mich, ich konnte mich ja noch frei bewegen aber mit mir lag eine alte Dame auf dem Flur und die konnte sich kaum bewegen und hatte starke Schmerzen. Es trennte uns lediglich eine Abtrennwand, von wo aus man aber trotzdem rein schauen konnte. Und die Dame wurde in aller Öffentlichkeit gewaschen, bis ich gesagt habe, dass um die Ecke ein Behinderten-WC sei und ob sie wohl den Anstand gegenüber der Dame besitzen würden, die Waschung dorthin zu verlagern. Nach nicht mal genau 2 Stunden, hatten sie das erste Zimmer frei, obwohl sie ja gesagt hätten, dass es zwei Tage dauern würde. Die Schwester meinte, sie würde die ältere Dame erst einmal aufs Zimmer legen, da ich ganz bestimmt nicht in diesen Raum möchte. Und wer hätte das gedacht, ich könne ja nach Hause gehen, bis die Operation so weit war. Ich sah sie an und lachte. Ich lachte sie einfach aus.

« Das hätten Sie wohl gerne, und jetzt bleibe ich auch noch hier! »

Ich lass mich doch von diesen Happelköpfen nicht verarschen. Erst hieß es, ich darf nicht nach Hause, weil sie das nicht verantworten können und dann soll ich nach Hause, nur weil kein Zimmer frei war? .

Als ich dann endlich wieder ein Zimmer hatte, stand das Arztgespräch noch bevor. Ich wartete auf die Visite und er kam. Er erklärte mir, was bei der Operation alles gemacht wird. Mein kompletter Bauch wird aufgeschnitten, der Darm rausgeholt, die entzündeten Abschnitte raus geschnitten, der Rest wieder zusammen genäht und wieder in meinem Körper eingesetzt. Bei den Worten, dass mir der komplette Bauch aufgeschnitten wird, hab ich aufgehört zu zu hören. Eine riesige Narbe würde über meinen Bauch gehen. Wie fühlt man sich damit? Scheiße. In so jungen Jahren ist dein Körper dein Kapital. Jeder will gut aussehen, um dem anderen Geschlecht zu gefallen. Ich hatte schon genug Narben, ich wollte nicht noch eine, vor allem nicht so eine Große. Ich habe meinen Körper gehasst. Wie sollte mich jemand wollen, mit einem verranzten Körper, der von Medikamenten und Narben geschädigt ist? Das hab ich auch den Arzt gefragt.

« Wie soll ich mich jemals wieder vor jemandem ausziehen und Sex haben? »

Er lachte und versicherte mir, dass ich noch oft genug Sex haben werde. Haha. Ein cooler Typ.

Ich wurde also auf die Chirurgie verlegt und wurde operiert. Die Operation dauerte 4 Stunden weil es Komplikationen gab. Aber im Nachhinein ist alles gut verlaufen und verheilt und die Narbe ist natürlich sichtbar aber sieht doch nicht allzu schrecklich aus.

Nach der Operation musste ich noch 10 Tage auf der Station bleiben, bis die Fäden gezogen werden konnten. Da ich versucht habe, das Rauchen aufzuhören, konnte und wollte ich auch mein Zimmer nicht oft verlassen. Ich lag wieder mit einer älteren Dame auf dem Zimmer, doch die war schrecklich. Sie jammerte in einer Tour obwohl sie eigentlich nix großartiges hatte. Die ganzen Wochen haben sehr an meiner Psyche gekratzt, weil ich eben auch viel gesehen und erlebt habe. Ich war irgendwann so fix und fertig, wollte keinen Besuch mehr, außer meiner Mutter und wollte nur noch nach Hause.

Als ich dann endlich nach Hause kam, wurde ich noch den Rest vom August und den kompletten September krank geschrieben. Ich musste ja erst mal wieder zu Kräften kommen und schwere Sachen heben, durfte ich ja auch nicht.

« Jetzt hieß es abwarten, ob, wann und vor allem wie der Crohn zurückkommt.»

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