Zwischen Medikamenten. Hochzeit. und Krankenhaus..

Die ersten zwei Jahre meines Studiums habe ich mit zwei Medikamenten überbrückt, die mehr oder weniger helfen sollten.

Angefangen, natürlich, wie sollte es auch anders sein, bekam ich das allseits bekannte Cortison verschrieben.

« Cortison, ist ein Medikament, das entzündungshemmend wirkt. »

Heutzutage, wird wegen jedem Scheißdreck dieses Medikament verschrieben. An sich ist es auch nicht schlecht, wenn die Wirkung eintritt, die es haben sollte. Wie jedes Arzneimittel, hat auch Cortison seine Nebenwirkungen. Unter anderem macht es dein komplettes Immunsystem kaputt. Des Weiteren, bildet sich Wasser in deinem Körper und du hast ein stärkeres Hungergefühl. Du bist also nur am fressen. Was ja eigentlich ganz geil ist. Aber du wirst halt auch fett. Osteoporose, Magen-Darmgeschwüre, Verdünnung der Haut, Akne, Grüner Star (Augenerkrankung), kaputte Nieren usw. sind weitere Nebenwirkungen. Bei mir hat das Medikament nie wirklich richtige Wirkungen gezeigt. Ich habe drei Jahre lang ununterbrochen Cortison genommen, was auch an meinem Körper Spuren hinterlassen hat.

Zur weiteren Unterstützung des Cortisons bekam ich ein zweites Medikament verschrieben. Das sogenannte Azathioprin.

« Azathioprin unterdrückt dein Immunsystem. »

Hauptsächlich wird Azathioprin nach Organtransplantationen eingesetzt, damit das fremde Organ durch das Immunsystem nicht abgestoßen wird. Hört sich alles schön und gut an, aber dass man da so gut wie nie das Haus verlassen kann, damit du nicht an weiteren Erkrankungen erkrankst, hat dir natürlich keiner erzählt. Du schluckst es einfach eifrig, in der Hoffnung, dass dein Leiden verringert wird.

Fassen wir also zusammen, ich habe in den ersten beiden Jahren zwei Medikamente genommen. Cortison und Azathioprin. Abschließend kann man sagen, dass das erfolglos war, denn ich hatte trotzdem ständig Durchfälle und Schmerzen, die ich aber großteils unterdrückt habe, da ich einfach zu viel Stress mit Studium und Arbeit hatte.

Während meines ganz (für mich) normalen Alltags, bekam ich eine wundervolle Nachricht von meiner besten Freundin.

« Sie wird ihren langjährigen Freund heiraten und ich werde Trauzeugin. »

Ich war so stolz auf die beiden und habe mich riesig gefreut, die Ehre haben zu dürfen, ihre Trauzeugin zu sein. Sie wollten am Gardasee in Italien heiraten im Juli und wir würden alle für 5 Tage da hin reisen und feiern. Von mir hat sie sich gewünscht, dass ich Ave Maria in der Kirche singen sollte.

Also musste ich während Studium, Arbeit auch noch „Ave Maria“ trällern üben und natürlich den Junggesellinnenabschied mit planen. Ich hatte ja sonst nichts zu tun, aber was macht man nicht alles für die beste Freundin.

Da die Hochzeit im Juli statt fand und Juli aber auch meine Klausurzeit war, lief das alles ein bisschen hektisch ab. Ich brauchte also vor meinen Klausuren eine Woche frei um mit nach Italien fahren zu können. Nachdem dann alles arbeitstechnisch geplant war, hatte ich also endlich 5 Tage auf die ich mich freuen konnte und die für mich auch seit langem endlich mal wieder Entspannung verheißen sollten. Ich freute mich richtig darauf, endlich mal für kurze Zeit raus zu kommen.

Als es dann endlich soweit war und ich nach Hause fuhr, um am nächsten Tag den Junggesellinnenabschied zu feiern, ging es mir gut. Zu der Zeit war die Europameisterschaft im Fußball und an dem Abend spielte Deutschland gegen Italien. Ich war bei meiner Freundin zum grillen eingeladen und wir hatten einen wunderschönen Abend auch wenn Deutschland mit 1:2 verloren hatte. Ich wollte mir durch nichts die gute Laune verderben lassen.

« Die Entspannung konnte also beginnen… »

Am nächsten Morgen, bin ich mit leichten Bauchschmerzen aufgewacht, die mit Minute zu Minute gestiegen sind. Ich dachte mir, das kann doch nicht wahr sein, heute ist der Junggesellinnenabschied und ich MUSS da hin, schließlich habe ich ihn mit organisiert. Also versuchte ich wieder zu schlafen, denn manchmal hilft ja schlafen gegen Schmerzen.

Doch als ich wieder aufgewacht bin, waren die Schmerzen unerträglich und ich hatte vorher solche Schmerzen auch noch nicht verspürt. Ich schrie nach meiner Mutter, doch da fiel mir ein, dass sie ja im Urlaub war und kam erst gegen Nachmittag wieder nach Hause. Ich war also allein.

Ich versuchte irgendwie zur Toilette zu kommen aber ich konnte nicht richtig aufstehen, geschweige denn laufen. Also bin ich gerobbt. Und als ich dann trotz des Gefühls, nicht aufs Klo konnte, rief ich unter Tränen meinen Arzt an, so dass er mir sagen konnte, was ich jetzt tun sollte. Denn Schmerzmittel hatte ich ja keins. Er wollte erst einen Notarzt schicken, dass ich in seine Praxis kommen konnte, aber das wollte ich nicht. Ich wollte selbst fahren. Ich dumme Kuh.

Ich saß mich also ins Auto und bin mit höllischen Schmerzen los gefahren. Nach einer gefühlten Ewigkeit, bin ich dann auf den Parkplatz der Praxis angekommen. Auto fahren ging einigermaßen, doch laufen ging nicht. Es waren genug Menschen auf diesem Parkplatz, doch keiner hat geholfen.

« Nur am Gaffen, die Graddler. »

Ich war ein Häufchen Elend, dass sich vor Schmerzen nur noch gekrümmt hat. Deswegen konnte ich sie auch nicht anschreien, was ich sonst getan hätte.

In der Praxis dann, bekam ich eine Ultraschall-Untersuchung und wurde geröntgt. Denn es wusste ja erst mal keiner ob das von Morbus Crohn kam oder ob ich nicht irgendwas anderes hätte. Dann bekam ich zur Schmerzlinderung eine Infusion. Meine Mutter wurde vom Arzt benachrichtigt und die kam dann auch gleich von der Urlaubsheimfahrt in die Praxis gefahren, weil ich nicht mehr Auto fahren durfte.

Ich wusste, die Sache war damit nicht gegessen. Ich musste ins Krankenhaus. Meine Mutter fuhr mich also ins Krankenhaus und da lag ich dann. Es war Samstagnachmittag. Ich schrieb also meiner Freundin, dass ich leider nicht mit auf ihren Junggesellinnenabschied könne, da ich im Krankenhaus fest saß und wohl auch drin bleiben müsse. Sie kam mich sofort besuchen und alle machten sich Sorgen um mich. Es war niemand böse, dass ich nicht mitgehen konnte aber für mich war das schon ein wirkliches Scheißgefühl, nicht an diesem Abend dabei sein zu können, denn sowas erlebt man ja auch nur einmal.

Aber irgendwie, war ich dann doch dabei, denn sie schickten mir alle paar Minuten Fotos, so dass ich auch alles mitbekommen habe. Natürlich war es nicht das selbe, aber ich wurde nicht vergessen.

Der Arzt meinte, ich müsse eine Darmspiegelung machen. Es war Samstag, also am Wochenende wird eh nichts passieren somit wäre die Spiegelung Montag oder Dienstag. Aber am Dienstag muss ich ja nach Italien fahren. Das wurde eng. Sehr eng. Ich sprach also mit ihm über die Hochzeit in Italien und dass ich da unbedingt hin müsse. Er meinte wir müssen die Spiegelung abwarten und die würde am Montag sein.

Also hieß es am Sonntag mal wieder abführen, doch es war mir egal solange ich am Dienstag im Auto zum Gardasee saß. Nach der Darmspiegelung stand zu 80 % fest, dass ich operiert werden musste. Und das war ein Schlag in die Fresse, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Der Arzt meinte, ich müsse noch ein MRT machen, sprich in die Röhre, um meinen Dünndarm zu röntgen und dann müsse ich sobald es ginge operiert werden.

« Ja aber es ging ja jetzt nicht, ich musste ja auf diese verdammte Hochzeit! »

Ich weinte und flehte, dass man das alles verschieben müsse, nicht nur weil meine Freundin heiratete sondern weil ich auch noch Klausuren hatte, und ich wollte nicht noch länger studieren nur weil ich an einer Prüfungszeit nicht teilnehmen konnte. Zumal ich in einem Fach einen Zweitversuch hatte und den man nicht schieben konnte. Es war mir egal wie viel Schmerzen ich hatte ich musste nach Italien und wenn es das letzte ist was ich tue.

Meine Mutter schimpfte und war dagegen, dass ich in dem Zustand so weit weg fahren würde, da sie einfach Angst um mich hatte. Aber es war mir egal. Ich wollte mir diesen Moment nicht nehmen lassen, nicht nach den letzten verdammten drei Jahren.

Mein Arzt war offiziell natürlich immer noch dagegen, aber er sagte ich könne es probieren, wenn es mir die Nacht über gut ginge zu Hause. Meine Mutter war dagegen. Aber ich wollte es unbedingt. Er gab mir also alle möglichen Medikamente mit und suchte in Italien ein Krankenhaus raus, in das ich gehen konnte, wenn es mir schlechter ginge. Nach meinen Klausuren, wenn es mir bis dahin nicht schlechter ginge, sollte ich mich allerdings wegen der Operation melden.

« Und schwubbdiwubbs war ich auf der Autobahn Richtung Gardasee »

Mein Arzt rief mich jeden Tag an, wie es mir ginge und natürlich konnte ich nicht so rumspringen wie sonst und auf das Essen musste ich auch achten, aber ich verbrachte  5 herrliche Tage mit meinen besten Freunden und in diesen 5 Tagen ging es mir sehr gut. Die Luft tat mir gut, ich hatte kaum Schmerzen. Und an der Hochzeit konnte ich in der Kirche „Ave Maria“ singen, was sie sich gewünscht hatte.

Es war wirklich traumhaft schön und wundervoll, aber in meinem Hinterkopf blieb die Angst vor der Operation natürlich bestehen…

13133325_1191042697595326_5805502565823937520_n

 

 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may use these HTML tags and attributes:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>