Guten Tag, ich bin ein Spastie!

Ich war also vorübergehend „gesund“ und war noch 1 1/2 Monate krankgeschrieben, bis im Oktober mein 5. Semester begann. Dies war mein Praxissemester und da ich vorhatte Gesundheitsmanagement als meinen Schwerpunkt zu wählen, sollte ich dieses Praktikum in einem Krankenhaus absolvieren in meiner Heimat. Es war schon alles geritzt und unter Dach und Fach.

« Ich hatte also noch genug Zeit mich auszuruhen und zu entspannen.. »

Eigentlich sollte ich mich darüber freuen, denn es konnte ein neuer Lebensabschnitt mit vielleicht weniger Schmerzen beginnen. Doch psychisch war ich total am Ende und als mir irgendwann wieder alles auf den Sack ging, fuhr ich wieder nach Hof zurück um meine Ruhe zu haben.

Nach ein paar Wochen ging es mir wieder einigermaßen gut und ich erhielt von meinem Bruder die Nachricht, dass ich Tante geworden bin. Ich habe mich so gefreut, doch da sie in Würzburg wohnten, konnte ich nicht mal schnell hinfahren. Ich wollte also eine Woche bevor das Praktikum angefangen hat, nach Hause fahren, weil ich ja auch noch Geburtstag hatte. Und plante dann so, dass ich davor nach Würzburg fuhr um meine Nichte sehen zu können.

Zwei Tage bevor ich die Reise antritt, lag ich in meinem Bett und zockte League of Legends (Computerspiel). Dabei juckte mir mein rechtes Auge ab und zu, doch ich dachte mir nichts dabei.

Am nächsten Tag als ich aufwachte, tränte das Auge und wieder dachte ich mir nichts dabei, vielleicht hatte ich mir ja einen Virus eingefangen, sowas sollte ja vorkommen. Ich packte also meine Tasche, denn am nächsten Tag sollte es ja nach Würzburg gehen und danach nach  Hause, die Vorfreude war riesig. Ich hatte schon Bilder geschickt bekommen von dem kleinen Fratz aber wenn man ein Kind zum ersten Mal sieht, ist das natürlich was ganz anderes. Ich ging also früh schlafen.

Als ich aufwachte, fühlte ich mich irgendwie komisch, so als wär ich nicht ganz vollständig. Ich hatte zwar keine Schmerzen aber irgendwie war etwas anders ich konnte es nur nicht einschätzen, was es war. Ich versuchte erstmal alles zu bewegen. Meine Hände funktionierten noch, meine Füße auch, Sabber lief aus meinem Mund. War doch alles gut..

« Moment Mal, Sabber lief aus meinem Mund?! »

Ich sprang auf und rannte zu meinem Spiegel, im ersten Moment sah alles ganz tutti aus. Dann begann ich zu lächeln und da bemerkte ich es. Beim lächeln, zog sich meine linke Gesichtshälfte ganz normal zusammen, bzw. auseinander, meine Rechte aber nicht. Sie blieb einfach hängen. Freaky.

Mit meinem Zeigefinger, klopfte ich mein Gesicht ab. Links spürte ich alles, rechts nicht. Scheiße.

« Ich war gelähmt.. »

Okay. Was war nun zu tun? Jeder normale Mensch, würde natürlich sofort zum Arzt rennen aber ich war ja bekanntlich nicht normal, also entschied ich mich dafür meinen Plan trotzdem durchzuführen und nach Würzburg zu meinem Bruder zu fahren. Und wenn die Lähmung am nächsten Tag nicht weg war, konnte ich ja immer noch zum Arzt fahren. Aber, dass ich meine Nichte nicht sehen konnte, das wollte ich mir nicht nehmen lassen.

Ich fuhr also los und nahm mir vor, einfach nicht zu lachen, dann fällt es bestimmt keinem auf. Ja bestimmt. Dort angekommen, waren eh alle mit dem Baby beschäftigt und es fiel tatsächlich niemandem auf. Hurra. Meine Nichte war so klein und süß, ich war sofort verliebt. Es wurden Fotos gemacht und ich lächelte. Hm. Mist. Die Freundin meines Bruders hat es bemerkt und fragte mich, was los sei. Ich erzählte es ihr und sagte, dass ich zu Hause zum Arzt gehen würde. Also war das Thema wieder vom Tisch.

Als ich irgendwann dann bei meiner Mama zu Hause angekommen bin, fragte ich sie ob mein Hausarzt Urlaub hatte oder ob ich hingehen könnte am nächsten Tag. Sie sagte er hat bestimmt offen aber warum ich schon wieder zum Arzt wollte. Naja verheimlichen konnte ich es ja nicht, also zeigte ich ihr meine Gesichtslähmung. Sie ist sehr erschrocken. Ich wollte sie beruhigen und hab gesagt, dass das nicht so schlimm sei, ich hätte ja keine Schmerzen. Sie sah mich an und sagte, ja aber sowas sieht nach einem Schlaganfall aus und damit ist ja nicht zu spaßen.

Damit hörte auch für mich der Spaß auf. Daran hatte ich überhaupt nicht gedacht.

« Und plötzlich machte auch ich mir Sorgen.. »

Der Hausarzt nahm mich sofort dran und ich erzählte ihm, wie es dazu kam. Auch er sagte, dass damit nicht zu spaßen sei. Ja ich habs ja verstanden. Was hab ich denn nun?!

« Es besteht der Verdacht auf einen Gehirntumor.. »

Okay Stopp Mal. Hatte er das gerade wirklich gesagt und wirklich ernst gemeint?! Irgendwie konnte ich das nicht ganz so begreifen. Ich hatte ja keine Kopfschmerzen und nichts. Er sagte, wir müssen mehrere Untersuchungen machen und ich müsse zu verschiedenen Ärzten gehen, um alles ausschließen zu können. Und das müsse man die nächsten zwei Wochen in Angriff nehmen.

Okay. Also ich konnte mein Praktikum nicht am 01. Oktober beginnen, weil ich verschiedene Arzttermine hatte, ich fragte also, ob ich auch später anfangen konnte, das war kein Problem. Gott sei Dank. Ein Problem weniger. Doch da war noch das mit dem Gehirntumor..

Sollte ich wirklich einen Gehirntumor haben, spring ich aus dem Fenster. Das war mein erster Gedanke. Ich würde das nicht mehr aushalten können und ich möchte auch nicht mehr ins Krankenhaus und operiert werden, schon gar nicht am Kopf.

Ich war also beim Zahnarzt, der bestätigte mir, dass die Lähmung nicht von den Zähnen her kommen würde. Ich war beim Augenarzt, der bestätigte mir, dass alles in Ordnung sei. Dann hatte ich einen Termin für ein CT im Krankenhaus. Mein Kopf wurde also geröntgt. Wenn ich also einen Gehirntumor hätte, würde es mir hier bestätigt werden. Es würde bestätigt werden, ob ich lebe oder ob ich sterbe. So scheiße es auch klingen mag.

Der Befund war negativ. Ich hatte also Keinen. Erleichterung. Doch was hatte ich dann? Ich hatte noch einen Termin bei einem Neurologen. Gehirnströme wurden gemessen und ich musste Übungen machen. Die Diagnose? Der Neurologe konnte keine richtige Diagnose mehr stellen, da es anscheinend schon zu lange her war und beispielsweise ein keiner Schlaganfall nicht mehr nachweisbar ist. Na gut. Damit musste ich mich wohl ober übel zufrieden geben. Ich bekam also mal wieder Cortison, dass die Lähmung zurück ging und musste Übungen machen, dass keine Schäden an meinem Gesicht zurück blieben. Auch Sprachübungen musste ich machen, da ich in manchen Situationen nicht mehr richtig gesprochen habe. Wo ich auch heute noch immer kleine Problemchen damit habe.

Die Lähmung ging zurück, durch das Cortison und ich konnte dann doch, wenn auch zwei Wochen zu spät, mein Praktikum im Krankenhaus anfangen. Yeah.

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