Cröhnchen richten, weitergehen!

Ich konnte also, wenn auch etwas verspätet, mein Praxissemester starten. Leider bekommt man in einem staatlichen Krankenhaus für sein Praktikum kein Geld. Bafög habe ich schon lange gar keins mehr bekommen und mein Nebenjob musste während meines Praktikums stillgelegt werden. Ich wohnte bei meiner Mum während dieser Zeit. Okay, da brauchte ich kein Geld für Miete oder Essen, aber ich musste ja trotzdem mein WG-Zimmer behalten und somit auch bezahlen, da ich ja nach dem Semester wieder nach Hof musste. Also musste mein Erspartes dran glauben. Doch nach mehrmaligem Betteln, bekam ich zumindest 200 Euro jeden Monat für mein Praktikum.

« Trotz allem, war das eine sehr tolle Zeit, in der ich wirklich wahnsinnig viel über den Beruf erlernen konnte. »

Wegen meiner Krankheit, bekam ich auch ein viertel Jahr nach der Operation keine Medikamente mehr. Mir ging es soweit gut. Zumindest habe ich erneute Anzeichen einer Wiederkehr vollkommen verdrängt. Die häufigen Klogänge, waren laut Arzt völlig normal, da mir ja der Übergang von Dünn- zu Dickdarm entnommen wurde. Und solange ich keine Schmerzen habe, war mir das völlig egal.

Also habe ich nicht gemerkt, dass ich wieder sehr viel abgenommen habe. Und so kam es relativ schnell, dass ich wieder starke Bauchschmerzen bekam. Die Schmerzen kann man natürlich nicht so leicht verdrängen, also bin ich wieder zu meinem Arzt, der auch gleich einen Ultraschall gemacht hat.

« Der Crohn war wieder da! »

Gefühlt habe ich nichts mehr in dem Moment. Denn mir war eigentlich nach der Operation klar, dass ich erstmal eine Zeit lang Ruhe haben würde. Ja von wegen, nicht mal ein halbes Jahr hat es gedauert. Meine Hoffnung war dahin.

Ich bekam also wieder Cortison und auch diesmal zusätzlich ein relativ neues Medikament namens Humira.

« Humira oder auch Adalimumab ist ein Antikörper mit Chemohaltigen Stoffen, den man verschreibt, wenn man auf eine reine Kortisontherapie oder auf ein Immunsuppressivum (ich hatte Azathioprin) nicht mehr anstößt. »

Alle zwei Wochen muss man sich selbst eine Spritze in den Bauch geben.

« Okay, anfangs war es sicherlich nicht ganz einfach, aber irgendwann rammt man sich die halt einfach in den Bauch. »

Humira ist ein sehr teures Medikament. Ich bekam immer gleich 6 Spritzen verschrieben, die rund 10.000 Euro kosten. Aber trotz des Hohen Preises, gibt es natürlich trotzdem Nebenwirkungen. Ich hatte zum Beispiel sehr oft Kopfschmerzen und mein Blutbild hat sich komplett verändert. Meine weißen Blutkörperchen waren immer erhöht. Was allerdings nicht ganz so schlimm ist, wenn man es regelmäßig kontrolliert.

Weitere Nebenwirkungen können sein: Übelkeit und Erbrechen, Muskel- und Knochenschmerzen, Appetitlosigkeit sowie Hautveränderungen.

Das Schlimmste an diesem Medikament ist allerdings, dass dein Immunsystem (Immunabwehr) vollkommen unterdrückt wird. Wie bereits bei Azathioprin, gab es also dasselbe Spiel wieder.

« Haus am besten so wenig wie möglich verlassen, alles desinfizieren und ganz viel aufpassen wo man mit seinen Griffeln hinlangt. »

Sonst kommt es zu weiteren Infektionen. Und das ist dann nicht mehr so lustig.

Ich habe Humira ungefähr 1 1/2 Jahre bekommen, bevor auch dieses Medikament seine Wirkung bei mir verloren hat, aber dazu mehr in einem weiteren Beitrag.

Gut, ich habe also wieder Cortison und jetzt auch Humira bekommen. Anfangs war es okay, die Schmerzen gingen zwar nicht weg aber zurück und das war schon Mal ein weiterer Fortschritt für mich. Wenn ich jetzt so drüber nachdenke, habe ich wahrscheinlich die Zeichen wiedermal unterdrückt, dass das Medikament doch nicht so gewirkt hat, wie ich dachte.

Denn ich war zurück in Hof und da stand nach meinem Praxissemester mein Schwerpunkt an. Da ich mein Praktikum so super fand, habe ich mich dazu entschieden Gesundheitsmanagement als Hauptschwerpunkt zu wählen und die restlichen Fächer habe ich aufgefüllt aus diversen anderen Schwerpunkten.

« Stress!! »

Ich habe zwar tatsächlich nicht mehr so einen vollen Stundenplan gehabt wie zuvor, da ich allerdings mittlerweile 25 Jahre alt war, musste ich meine Krankenversicherung selber bezahlen. Die Studiengebühren fielen zwar weg, jetzt war allerdings nichts mehr kostenlos in der Fachhochschule, sondern man musste alles selber bezahlen. Pi mal Daumen ist man dann aufs gleiche Geld gekommen. Also gespart hat man sich dadurch nichts. Im Gegenteil durch meine Krankenversicherung musste ich noch mehr bezahlen. Was hieß das für mich? Richtig: Mehr arbeiten.

Anstatt also mehr Freizeit zu haben, weil ich nicht mehr so viel in der Fachhochschule verbringen musste, ging ich stattdessen wieder meinem Nebenjob in der Systemgastronomie nach und habe mehr gearbeitet als zuvor. Wunderbar. Nicht!

Der Stress, der mir vor der Operation schon zu vielen Schüben verholfen hatte, war also wieder da. Und jetzt noch krasser und extremer als vorher. Ich erlebte ein Déja Vú. All das was ich schon einmal erlebt hatte, habe ich wieder erlebt.

« Symptome verdrängen → Entspannung → Schub »

Aber wie immer war mir das Ganze egal. Ich nahm all das in Kauf, denn ich wollte unbedingt mein Studium schaffen und abschließen. Das wofür ich jahrelang gekämpft und gelitten habe, sollte sich am Schluss doch lohnen.

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4 thoughts on “Cröhnchen richten, weitergehen!

  1. Vielen Dank für deinen hilfreichen Artikel.

    Ich bin bereits seit Längerem ein ruhiger Leser. Und heute musste mich mal
    zu Wort melden und „Danke“ sagen.

    Mache genauso weiter, freue mich bereits jetzt schon auf die nächsten Artikel

    • Schnudl

      Liebe Svenja,
      vielen vielen Dank für deinen positiven Kommentar zu meinem Blog.
      Schön wenn ich dir damit ein bisschen helfen kann.
      Liebe Grüße
      Schnudl

  2. Hallo !
    Ich bin zufällig auf Deinen Blog gestoßen. Finde ich toll wie Du andere ermutigst und alles nicht so eng siehst. Ich selbst habe ebenfalls viel durch gemacht und arbeite zur Zeit an einem neuen Blog um meine positive Erfahrung zu berichten und wie man sich mit einigen Änderungen helfen kann. Ist leider noch nicht fertig, doch wen es interessiert kann mal vorbeischauen unter https://www.morbus-crohn-hilfe.com/hilfe-erfahren/
    Nur weiter so und alles gute ! Ich werde auch öfters mal vorbeischauen. Übrigens komme ich auch aus den Raum Nürnberg 🙂
    Gruß,
    Andreas

    • Schnudl

      Hey Vielen Lieben Dank für deine tollen Worte 🙂
      War leider ne Zeitlang nicht online hier, deswegen schreib ich erst jetzt, aber ich werde mir demnächst bestimmt auch mal deinen Blog ansehen. Bin schon gespannt.
      Ja cool woher kommst du denn genau?
      Liebe Grüße
      Schnudl

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